Ältester Jüdischer Friedhof in der Maxvorstadt entdeckt
Die Maxvorstadt hat ein neues Denkmal: Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat kürzlich im Maßmannpark ein Bodendenkmal eingetragen. Hier befinden sich vermutlich untertägige mittelalterliche Teile eines jüdischen Friedhofs, ließ die Bheörde verlauten. Entdeckt hat die frühesten Spuren Münchens, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen, der frühere Vorsitzende des Bezirksausschusses Maxvorstadt und pensionierte Jurist, Klaus Bäumler. Bei Recherchen zum Bauvorhaben am Norkauer Platz stieß er in alten Akten und Urkunden eher zufällig auf die verwischten Spuren: Zu Beginn des 15. Jahrhunderts gab es demnach in München schon eine Jüdische Gemeinde und einen dazugehörigen Friedhof – viel früher, als bisher angenommen. Münchens bislang alter Jüdischer Friedhof an der Thalkirchner Straße existiert seit 1816.
Wie Bäumler mit einer im Hauptstaatsarchiv verwahrten Urkunde vom 29. März 1416 nachweisen konnte, überließen die Herzöge Ernst und Wilhelm den Münchner Juden 1416 einen Friedhof. Aber wo lag dieser Friedhof? Bäumler lokalisierte ihn nach aufwändigen Recherchen im Maßmannpark: Laut der alten Urkunde wurde er "bei dem perg zwischen Moosach und des Rennwegs" angelegt. "Bei dem Rennweg handelt es sich um die Straßentrasse, auf der im Mittelalter Pferderennen ausgetragen wurden", erklärt Bäumler. Diese läuft vom Neuhauser Tor, bekannt als "Stachus" von Süden nach Norden und deckt sich mit dem Verlauf der heutigen Schleißheimer Straße. Mit dem Begriff "perg" sei die eiszeitliche Ufertrasse zu verstehen, die die Straße im Bereich des heutigen Maßmannparks schneidet. Damit stehe fest, dass sich der mittelalterliche Jüdische Friedhof exakt in dem Bereich zu lokalisieren ist, der zwischen der Dachauer Straße und Heßstraße westlich der Schleißheimer Straße liegt. Weitere Aufschlüsse erhielt Bäumler durch Kartenmaterial aus dem frühen 19. Jahrhundert: "In Plänen von 1808 bis 1849 findet sich dort eine trapezförmige Fläche, die von Bäumen umgeben ist", so Bäumler. Diese besonders charakteristische Fläche wurde nie bebaut. Ein weiterer Hinweis auf die Existenz eines Friedhofs - denn laut jüdischem Ritus dürfen Friedhofe nie bebaut werden. Ob sich jedoch heute, fast 600 Jahre später, noch Überreste des frühesten
Gottesackers der Israeliten finden lassen, hält Bäumler für unwahrscheinlich. Das könnte auch mit einem Unglücksfall im Jahr 1835 zusammenhängen: In unmittelbarer Nachbarschaft stand hier ein Pulverturm des Militärs – bis sich dort eine gewaltige Explosion ereignete: Ein Soldat sprengte sich damals mit 15 Tonnen Pulver in die Lift und die Druckwelle zerstörte alles, was sich im näheren Umkreis befand.
Inzwischen ist auch die Stadt München unterrichtet über die neuesten historischen Erkenntnisse und die Eintragung in die Denkmalliste: Bis Ende des Jahres ist die Stadt aufgefordert sich dazu äußern. Die Thematik muss auch in die geplante partielle Neugestaltung des Maßmannparks als Ausgleich für die dichte Bebauung des Löwenbräugeländes unbedingt mit einbezogen werden", forderte Bäumler.


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