Sonntag, 20. März 2011

Der Teufel im Dom

Für die einen sind es metereologisch bedingte Ab- und Aufwinde - für die anderen ein Gruß direkt aus der Unterwelt

Was wäre der Münchner im Himmel, wenn es in derselben Stadt kein Pendant gäbe: Natürlich kann München auch mit der dunklen, geradewegs aus dem Fegefeuer kommenden Seite eindrucksvoll aufwarten: Der stete Luftzug um den Münchner Frauendom soll der Teufel höchstpersönlich sein, der aus Wut über den Dombaumeister bis heute um die Häuser zieht. Der Legende nach hat der Baumeister mit dem Teufel um seine Seele gewettet, dass man in der Kirche kein Fenster sehen würde. Am Ende der Bauzeit um 1494 trat er in den Vorraum des Doms. Zufrieden bemerkte er, dass tatsächlich kein Fenster zu sehen war und stampfte triumphierend so fest auf, dass noch heute im Eingang sein Fußabdruck – der berühmte "Teufelstritt" – zu sehen ist. Die Sicht auf das heute sichtbare Mittelfenster wurde ihm damals wahrscheinlich von einem damals existierenden gewaltigen Hochaltar verdeckt.

Als der Beelzebub jedoch einen Schritt vortrat, wurde ihm das Ausmaß der Täuschung bewusst: Von weiter vorne waren sehr wohl die Seitenfenster in der Kirche zu sehen. Vor Zorn habe er sich nun in einen heftigen Wind verwandelt und gehofft, er könne den Bau noch im Sturm zusammenwerfen. Das konnte er nicht und noch heute stürmt er immer noch um die Türme. So weit die Sage.

Doch es gibt auch noch eine profane Erklärung, verrät Roland Götz, Kirchenhistoriker im Archiv des Erzbistums München und Freising: "Wahrscheinlich war das Ganze ein Scherz der Steinmetze, die in der Barockzeit im frühen 17. Jahrhundert den Boden neu verlegt haben." Ein Hinweis sei das Material des Teufelstritts, der gleich beschaffen wie die zu dieser Zeit im sogenannten Rosenspitzmuster verlegten quadratischen Platten ist. Dazu gehören auch noch längliche, an den Enden zugespitzte Platten, die man am Rest des Alten Bodens in der Kapelle unter dem Nordturm noch sehen kann.

Wann die Legende vom Teufel dazu aufgekommen ist, vermag der Kirchenhistoriker nicht genau zu datieren: "Legenden geben sich oft älter, als sie eigentlich sind," so Götz. Er vermutet, dass die Geschichte möglicherweise erst im 19. Jahrhundert, zur Zeit der Gebrüder Grimm und der Sagen und Märchen, erfunden wurde. bb

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