Der Münchner im Himmel
Den direkten Draht zu ganz oben zu haben, darauf kann eigentlich nur eine einzige Stadt der Welt stolz sein. Unser Bindeglied: Alois Hingerl, Dienstmann 172 vom Münchner Hauptbahnhof – besser bekannt als Engel Aloysius oder der Münchner im Himmel. Seit fast 100 Jahren garantiert er nun schon die göttliche Verbindung.
Nur sehen kann man ihn leider nicht, denn er sitzt für Weltliche unsichtbar, Nacht für Nacht nach der Sperrstunde an seinem Stammtisch bei der Schänke drei, wo er seinem geliebten Bier frönt statt im Himmel Manna zu sich zu nehmen und Hallelujah zu singen. "Do hockt er heit no," heißt es in dem Werk des bayerischen Dichterfürsten Ludwig Thoma. Den Auftrag, den Thoma seiner Figur eingehaucht hat, hat er aber leider bis heute noch nicht erfüllt: Auf die göttlichen Eingebungen, die der Aloysius der Bayerischen Staatsregierung per Brief übermitteln sollte, warten die Bayern noch immer. Auch Peter Gauweiler, der sich im Wahlkampf 1993 als Münchner Bürgermeisterkandidat Schützenhilfe vom Aloysius erhofft hatte, indem er auf Wahlplakaten verlauten ließ "Der wahre Alois Hingerl heißt Peter Gauweiler", brachten ihm statt dem erhofften Manna nur Proteste bis hin zur juristischen Androhung ein: Der schnauzbärtige Dienstmann mit Nachthemd und Harfe, entworfen vom Grafiker-Ehepaar Traudl und Walter Reiner aus Fischbachau in den sechziger Jahren, war urheberrechtlich geschützt. Auch geringfügige Änderungen der CSU-Werber änderten daran nichts. "Die haben unsere ganze Technik abgekupfert", fand Walter Reiner damals und beauftragte seinen Anwalt Max Wieland, gegen "Aloisius Gauweiler" vorzugehen. Wie die Wahl dann schließlich ausging, weiß jeder Münchner: Christian Ude konnte seinen Konkurrenten besiegen – übrigens mit 50,8 Prozent gegen 43,3 Prozent.


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